Dampfspritze "Kathi"

 

KNAUST-Dampfspritzen wurden weltberühmt

Die Wiener Maschinenfabrik Wilhelm Knaust begann im Jahre 1867 mit der Fabrikation von Dampfspritzen. Das erste Modell wurde auf der Weltausstellung 1873 in Wien vorgeführt. Im Jahre 1878 stellte die Wiener Feuerwehr die erste Dampfspritze der Firma Knaust – es handelte sich dabei um eine Zweizylindermaschine – in den Dienst. Nur fünf Jahre später danach lieferte sich die Firma Knaust neuerlich an die Wiener Feuerwehr: Diesmal aber bereits eine Dreizylinder-Spritze.

Die Feuerwehr Gainfarn überlegte 1909 den Ankauf einer Dampfspritze und empfahl der Feuerwehr Vöslau eine solche Dampfspritze anzukaufen. Aus Geldmangel musste das Vorhaben jedoch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Ein Jahr später aber wurde die dringend benötigte Anschaffung Realität: Die Gainfarner Dampfspritze, hergestellt von der Firma Knaust, ist Baujahr 1910 und somit seit nunmehr 100 Jahren ununterbrochen im Besitz der Gainfarner Feuerwehr. Es handelt sich um eine Dreizylindermaschine. Der Kostenaufwand betrug damals rund 25.000,- Kronen. Das entspräche nach groben Berechnungen heute einem Wert von 125.000,- Euro! Eine derart hohe Summe konnte – wie es auch heute bei großen Anschaffungen noch guter Brauch ist – nur durch Spenden und den Erlös aus mehreren Veranstaltungen finanziert werden.

Weil der Kessel nur 80 Liter fasst, brauchte man laut damaligem Zertifikat keine Kesselprüfung

 

Bei einem Mühlenbrand in Leobersdorf trat unsere Maschine 1910 zum ersten Mal in Aktion. Der Einsatzplan der „Feuertaufe“ unserer „Kathi“ – wie wir die Dampfspritze seither liebevoll nennen – ist übrigens heute noch vorhanden.

Verkauf von "Kathi" droht

Langsam aber unaufhaltsam schritt die Motorisierung voran. Technisches Gerät und moderne Fahrzeuge wurden angeschafft. Aus Platzgründen überlegte man schließlich den Verkauf der Dampfspritze. Also wurde im Mai 1962 ein Schreiben an die Landesfeuerwehrschule gerichtet, mit dem Angebot, die Dampfspritze als Leihgabe mit Eigentumsvorbehalt zwecks Lehrzwecke an die NÖ-LFS zu überstellen. Welch ein Glück, dass die Landes-Feuerwehrschule auf diese Schreiben nicht reagierte! Unser damaliges Kommando entschloss sich daraufhin, das Feuerwehrfahrzeug aus dem Jahre 1928 zu verkaufen und die Dampfspritze bei unserer Wehr zu behalten. Bis ins Jahr 1959 überprüfte die Niederösterreichische Landesregierung sodann einmal jährlich den Dampfkessel.

Danach wurde „Kathi“ in den Ruhestand versetzt, doch die Jahre gingen nicht an ihr vorbei.

Bangen um "Kathi"

Eines Tages kam der Kesselprüfer, besichtigte die Maschine und kam zum Entschluss, dass es schade wäre, die Maschine verkommen zu lassen. Gleichzeitig befand er aber, dass der Kessel vollständig zerlegt und geprüft werde müsse.

Dipl.-Ing. Schrenk gab den Rat, dass die Technische Universität in Wien Hilfe geben kann. Dort könne man solche Geräte wieder aktivieren, weil man dort die Möglichkeit hätte, den Kessel zu röntgenisieren und – wenn es denn sein müsse – zu schweißen. Werde der Kessel jedoch für in Ordnung befunden, so könne ein Zeugnis über den Kessel ausgestellt werden.

Die Maschine wurde in hundert Teile zerlegt und nach rund 2 Monaten mit einem positiven Zeugnis von der Universität wieder zurück gebracht.

Bei einer Vorführung in Böheimkirchen, im Oktober 1995 sollte der Originalkessel zum letzten Mal unter Druck gesetzt werden: Wasser und Dampf hatten wir in der Feuerbox. Die Querrohre im Dampfkessel waren durchgebrannt. Wir konnten an der Maschine keinen Druck (Spannung) erzeugen.  

Zu dieser Zeit waren nur zwei Firmen imstande, so einen Dampfkessel anzufertigen oder zu reparieren. Eine befindet sich in Graz, die andere Ceske-Velenice bei Gmünd.

Am 7. November 1995 wurden die Teile nach Ceske-Velenice überstellt. Drei Monate wurde ein Fax geschickt. Aufgrund des Alters des Materials ist ein Kesselneubau notwendig.

Alle helfen, um einen neuen Kessel zu finanzieren

Es folgten intensive Gespräche mit der Feuerwehr, Gemeinde und Banken wegen der Finanzierung. Schließlich fiel die Entscheidung, den Auftrag laut Anbot vom 14. Februar 1996 zu erteilen, mit der Hoffnung auf Fertigstellung bis Mai 1996. Leider wurde der Kessel erst im November fertig. Aber dann war es soweit. Der Kessel konnte noch geprüft und konnte dann von Ceske-Velenice geholt werden.

Danach begann man wieder mit dem Zusammenbau. Insgesamt dauerte er rund 70 Stunden. Am 9. Juni 1997 wurde durch Dipl.-Ing. Hohenwarter von der Schweißtechnischen Zentralanstalt die Druckprobe durchgeführt und das Gerät für in Ordnung befunden. Der Betriebsdruck für unsere Maschine wurde auf 8 bar festgelegt

In Raabs an der Thaya konnte man nach zwei Jahren Pause am 16. August 1997 mit großer Freude unsere Dampfspritze wieder in Betrieb nehmen. Als Dank an alle Gönner, die Kosten für den Dampfkessel übernommen haben – Sparkasse Bad Vöslau, Raika Gainfarn, Volksbank Bad Vöslau sowie die Stadtgemeinde – lud die die Freiwillige Feuerwehr Gainfarn im Rahmen des Stadtfestes im Schlosspark zu einem kleinen Festakt, bei dem alle Helfer und Spender vor den Vorhang geholt wurden.

Die "alte Dame" erobert all Herzen im Nu

Bis zum heutigen Tag durfte „unsere alte Dame“, die Dampfspritze Baujahr 1910 in rund 200 Betriebsstunden weit über 100 Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Viele Stunden mehr, als sie je in ihrer aktiven Zeit leiten musste.

Bei Landesaustellungen im Burgenland und in Niederösterreich, bei Gründungsfesten von Feuerwehren sowie bei Festveranstaltungen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrkommandos, bei den Berufsfeuerwehren Wien und Linz, bei der Internationalen Modellbauaustellungen   auf dem Wiener Messegelände, bei „100 Jahre Feuerwehr Krems“, in Kitzbühel,  in Holzkirchen und Traunstein – überall eroberte unsere „Kathi“ die Herzen der Besucher wie im Flug. Der Bekanntheitsgrad unserer Jubilarin geht weit über die Grenzen unseres Bundeslandes, ja auch über Österreichs Grenzen hinaus. Wohin immer wir „Kathi“ auch immer begleiten, überall besteht großes Interesse an diesem feuerwehrtechnischem Schmuckstück. Auch bei TV-Auftritten hat „Kathi“ bereits Routine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfragen betreffend Ausfahrten: EOV Andreas Pfleger, Tel.: +43 664 8539722

 

 

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